Die Hoehlentempel von Badami

September 11, 2006

Vier Tempel die laut Reisefuehrer zu den aeltesten Hindutempeln und Jaintempeln gehoeren gibt es in Badami. Sie unterscheiden sich stark von den anderen die kenne. Ihre Gottheiten udn Skulturen haben sehr ausdrucksvolle menschliche Gesichter. Der Sandstein ist von den unzaehligen Beruehrungen, ganz glatt und glaenzend geworden. Der Blick von den Tempelhoehlen reicht ueber ein grosses Tal auf dessen Grund ein sehr grosses Wasserreservoir angelgt ist. rundherum fuehren Stufen zum Wasser herunter auf denen Frauen ihren Waesche waschen. Die Schlaege davon schallen hoch bis zu den Hoehlen. Das Tal wird von einer canyonartigen Felskette eingeschlossen. Es ist genau der Platz an dem ich einen Tempel bauen wuerde, wenn ich es vorhaette.

Badami

September 5, 2006

Badami ist der untouristischste Ort in Indien den ich bislang erlebt habe. Obwohl sich Hotel an Hotel reiht, und Badami eine Stadt ist, gibt es keine Schmucklaeden, kein Internetcafe, keine Reiseagentur, keine Handarbeitsgeschaefte. Touristen werden eigentlich von der Stadt ueberhaupt nciht wahrgenommen. Es gibt einen sehr grossen Markt, aber keinerlei europaeische Produkte, wie sonst in Indien. Ich werde nur von Schulkindern angesprochen, die ueberall mit ihren Collegebuechern wo „Save the Earth“ drauf steht angesprochen. Nicht von Haendlern oder Bettlern. Badami ist sehr indisch. Die meisten Bewohner sprechen kein oder ein sehr schlechtes Englisch (Ausnahme: die Schulkinder), und selbst die Orstnamen verstehe ich kaum: Vokale werden hier meist verschluckt. Missfallen hat mir bislang der extreme Gebrauch von Peitschen mit Knoten zum antreiben der Ochsen. Ausserdem verwundert hat mich der sehr unterschiedliche Umgang zwischen Mann und Frau: einerseits ist es normal dass sich auch nicht gerade arme Frauen mit entbloesstr Brust oder ganz nackt auf der Strasse waschen, andererseits wurden die zwei Frauen die sich im Buss neben mich gesetzt haben sofort von einigen Maennern recht ruede aufgefordert sich nicht neben mich zu setzen. Entsprechend sassen Frauen dann immer auf „Frauenbaenken“ meist die doppelte Anzahl wie vorgesehen, waehrend die Maenner recht gemuetlich auf der Mehrzahl der Plaetze Platz nahmen.
P.S. Weils in Badami kein Internet gibt, wird on mir wohl erst am neunten September was zuhoeren sein.

Puffs, Sex und der Westen

September 3, 2006

Das beliebteste Gespraechsthema zum Smalltalk ist Sex. Fast immer wenn ich von einem Inder angesprochen werde, kommen zwei Fragen: Bei euch gibt es Puffs?! Warst du auch schon mal da?? Und dann: was muss ich machen um eine deutsche Frau zu heiraten? Letztere ist wenig ueberraschend schlieslich ist der Westen das grosse Vorbild und alle jungen Inder orientieren sich an unserer Kultur. Die ersten Fragen ueberaschen mich etwas: schlieslich gibt es im Park gegenueber von Kanteerawa Stadium wo ich in Bangalore wohne auch sehr gut besuchte Prostituierte. Dennoch scheinen die meisten Inder ihre ersten sexuellen Erfahrungen erst nach der Hochzeit zu sammeln, und entsprechend ist Sex ein aeusserst geheimnissvolles und spannendes Thema…

Sterben in Indien

September 2, 2006

Vorgestern habe ich eine Mutter gesehen die ihren vielleicht zwoelf Jahre alten Sohn nach Hause gefahren hat. Er war tot und seine Mutter hat ihn waehrend der Fahrt mit der Rikschah in den Armen gehalten. Zu Hause angekommen wurde er vor dem Haus aufgebahrt und seitdem wird beraeuchert, gewaschen und von seiner Mutter bewacht. Alles ist oeffentlich und immer sind andere Menschen bei der Mutter. Lediglich zwei Tuecher sind in zwei Richtungen um ihn gespannt. Weniger als Sichtschutz, als der Atmosphaere und des Strassenstaubs wegen. Der Junge sieht ziemlich gesund und gut genaehrt aus. Die kleine Strasse ist wegen der Aufbahrng des Jungen gesperrt.

Abendessen

August 12, 2006

Auf dieser Flussseite waren wir vermutlich die einzigen Touristen, wehalb (fast?) alle Restaurants zu hatten. Entsprechend folgten wir dem Angebot von einem Dorfbewohner bei ihm in der Huette zu speisen. Die Huette bestand, ganz wie man sie sich vorstellt, nur aus Bambusrohr, Palmblaettern und Lehm. Der einzige Raum wurde von vier Personen (Mutter, Vater und zwei Kinder) bewohnt. Der Lehmboden war im Laufe der Jahre geglaettet und geebnet worden. Radschuh, unser Gastgeber, schwaermte von den geschmacklichen Vorzuegen der am offenen Feuer zubereiteten Speisen. Er lehnte Gas strikt ab, und verwies auf die Fliegen, die bei fehlenden Feuerrauch in die Huette kaemen. Und, als wir da so bei Kerzen- und Feuerschein im Kreise sassen, waehrend in der Mitte das juengste, sechs Monate alte Kind in einer Haengematte geschaukelt wurde, konnte man ihm nur mit leuchtenden Augen zustimmen. Auch wenn ich die Nacht spaeter gemuetlich im Bett mit Moskitonetz, ohne Rauch, aber dafuer mit Musik und Lichtschalter in Griffnaehe verbracht habe…

Ziviler Ungehorsam

August 5, 2006

Ich bin im Internetcafe und lasse mir gerade etwas fuer mein Studium ausdrucken. Ein Blick in den Himmel laesst mich unruhig werden, da es nach Regen aussieht und ich auf der Dachterrasse unserer Unterkunft viele Papierunterlagen liegen gelassen habe. Ich bezahle schon mal (Kopien und Ausdrucke sind in Indien uebrigens sehr teuer mit ca. 10 Cent pro Kopie) und vereinbare meine Ausdrucke spaeter abzuholen. Der Himmel treibt mich zur Eile und ich renne. Offensichtlich bin ich der einzige der rennt, und auch in letzten Tagen habe ich keine Inder rennen gesehen. Auch wird mein Lauf durch sehr viele „Heys“ begleitet.

Einige Tage spaeter, werde ich angerufen um jemanden in die Wohnung zulassen in der ich wohne. Es ist schon spaet und ich bin in der Naehe um noch einen Tee zutrinken. Der Tee ist bestellt aber noch nicht geliefert. Ich trabe diesmal recht entspannt nach Hause um bei meiner Rueckkehr einen noch heissen Tee vorzufinden. Auf dem Weg werde ich etliche Male von angepsrochen: „Hey, what happend? D’ou need help?“

Beim Fussballspiel vor einigen Tagen, fliegt der Ball ueber einen Zaun. Der Zaun hoert an beiden Enden auf, ohne Tor oder Gatter. Eine „zusammenhaengende Schutzabwehr“ nach deutschem Rechtsverstaendniss stellt er mit Sicherheit nicht da. Meine Bequemlichkeit mich des Umweges zu entziehen und ueber den Zaun zu klettern wurde abermals sehr besorgt kommentiert:“ That’s not allowed! If a security saw you…“

Heute ein weiteres Fussballspiel, fast die gleiche Situation diesmal klettert einer der Inder ueber den Zaun was gleich zu Diskussionen fuehrt. Warum hat er es gemacht? – Er wollte es auch mal ausprobieren…

Indische Grennpeacer haben mir erzaehlt das eine Inhaftierung in Indien etwas schreckliches ist. Letztlich wird man danach als Verbrecher angesehen. Als vermutlich das erste mal ein indischer Greenpeacer nach einer Aktion verhaftet wurde kam es danach zu einen regelrechten politischen Erdbeben: Politiker aller Parteien sollen im Gefaengniss angerufen haben und die sofortige Freilassung des, aus einer der hoeheren Kaste stammenden Aktivisten gefordert haben.

Irgendwie das richtige Umfeld fuer ein kleines Traceur-Treffen, oder nicht?

Strassenreinigung

August 4, 2006

Jeden abend oder morgen wird vor dem Hauseingang die Strasse geschrubbt. Recht gruendlich und mit viel Wasser. Ein Umstand der die nicht vorhandene Strassenreinigung ersetzt. Motivation ist aber weniger die Reinlichkeit des Strassenbilds als vielmehr das Wegwaschen der Bemalung des Vortages. Denn jeden Tag wird ein neues zum Teil recht aufwendiges Muster vor die Strassentuer gemalt. Das soll Glueck bringen.

– Ja.

Ich bin mir nicht sicher, ob es eine Frage oder eine fast fassungslose Aussage ist.

– In Indien fahren sie [motorisierte, dreiraedrige] Rikschahs; Mercedes faehrt man nur als Millionaer!

Anmerkung: Rikschah/Taxifahrer stehen in der indischen Hierachie ziemlich weit unten.

Hindu-Tempel

August 2, 2006

Am Anfang wurde erstmal das Gepaeck durchsucht, anschliessend musste man die Kameras abgegeben, Fotos sind im Tempelinnern verboten. Nachdem dann auch die Schuhe ausgezogen und abgegeben waren, durften wir rein. Beziehungsweise zum Gebet: 108 (wie im Hinduismus ueblich) Platten lagen vor uns, und auf jeder sollte das Mandra “

Hare Krishna Hare Krishna

Krishna Krishna Hare Hare

Hare Rama Hare Rama

Rama Rama Hare Hare

gesagt werden. Wobei die Aussprache von  Hare stark an ein Hey errinnert. Da Ueberholen unmoeglich war machten auch alle Besucher mit. Anschliesend wurden wir in einen genau vorgegebenen Weg durch die Tempelanlage geschleust. Der Tempel war entweder ganz oder groesstenteils neu errichtet. Der Tempel war gut besucht und, sagen wir, stark belebt. In der Haupthalle gab es einen Buchgeschaeft mit doch recht engagierten Haendlern; es gab ebenso engagierte Spendensammler und sehr viele indische Familien die sich in der Halle niedergelassen hatten. Die Familien unterhielten sich zum Teil recht angeregt, Kinder schriehen, am Hauptheiligtum wurde im Hintergrund gerade gebaut, waehrend vorne dran ein Moench irgendwelche Zeremonien durchfuehrte, die nur durch sein gelegentliches Kratzen an Nase oder am Haupthaar unterbrochen wurden. Fuenf Minuten spaeter, nach getaner Arbeit liess er sich dann in einem Plastiksessel nieder, ueberkreuzte die Beine und und erfreute sich der Armlehnen. Aus dieser im doch um einigeres behaglicheren Position beobachtete er das rege Treiben um sich herum.

Nach der Haupthalle kam dann eine grosse Shopping und Gastronomiezeile: es gab Postkarten, Devotionalien, Lebensmittel, Kleider, Imbisse, ein Restaurant, Biolebensmittel ein Kino und einiges mehr.

Insgesamt erinnerte mich der Tempel mehr an einen grossen Marktplatz als an eine europaeische Kirche. Das ist aber nicht abwertend gemeint: immerhin wird dort gelebt, und vielleicht steht der lockere Umgang mit dem Tempel ja auch fuer einen freieren und ungezwungeneren Umgang mit Religion. Sicherlich sind die ganzen Geschaefte darauf aus Geld zuverdienen,  aber dafuer gibts es ja auch keine Kirchensteuer… Und der Tempel foerdert ja nicht nur oekologische Landwirtschaft, betreibt ein Programm zum Schutz der Kuh, sondern bietet auch 120.000 Kindern seiner Umgebung auch ein kostenloses Mittagessen an. 

Der Dalai Lama

Juli 31, 2006

In Choklamsar in Ladakh hat der Dalai Lama seine Sommerresidenz. Vor allen weil in Ladakh sehr viele tibetische Fluechtlinge leben. In der Zeit in der ich da war, stand gerade ein Besuch des Dalai Lamas an. Da bei jedem Besuch des Dalai Lama immer auch oeffentliche „Teachings“ stattfinden und aus dem ganzen Land Moenche und Bauern anreisen war es naheliegend sich das auch mal anzuschauen. Anwesende Europaer bekamen alle einen Ehrenplatz in den ersten Reihen. Viel zuhoeren konnte ich nicht nur wegen der recht schlechten englischen Uerbersetzung nicht, sondern vor allen wegen der extremen Temperaturen und dem nicht vorhandenen Schatten. Bei der ersten Pause wollte ich deshalb wieder weg. Aehnliche Gedanken hatten wohl auch zahlreiche Moenchsorden, die mit ihren zum Teil sehr kleinen Schuelern angereist waren. Doch waren diese wohl ein solches Gedraenge in ihren ruhigen Kloestern nicht gewohnt. Stattdessen erfasste zahlreiche der aelteren Moenche Panik von ihrem Orden getrennt zu werden. Diese Folge war ein wildes Rumgeschlage, Getrete und Gefluche. Die am Rand stehenden Soldaten die wohl zum Schutz des Dalai Lama abgestellt waren, beteiligten sich sehr ungeniert an der Klopperei mit ihren Gewehren die auch gute Schlagstoecke abgaben. Neben dem Aengsten die die Menschenmasse bei den Moenchen ausgeloest haben muss, scheinen diese von mir als so friedlich eingeschaetzten Menschen doch auch eine erhebliches Aggresionspotential in sich zu tragen…