Kommt man nach Hampi zur Regenzeit, findet man meist recht wenige Kletterer. Auf der Tempelseite fehlt eine zentrale Anlaufstelle. Ich habe meine Kletter-Bekanntschaften vor allen meinen Crashpad zuverdanken, dass ein gutes Erkennungszeichen war. Durchfragen war leider erfolglos. Im Zweifelsfall wuerde ich mal mit ein paar Kletterschuhen um den Hals durch Hampi laufen.

Kletterausruestung gibt es auf der Tempelseite auch nicht, angeblich gibt es ein Geschaeft mit Klettersachen in Hospet, aber mit sehr kleiner Auswahl.

Deshalb heisst es auf die andere Seite zu kommen. Dafuer stehen einen zwei Moeglichkeiten zur Verfuegung: entweder man wartet darauf, dass der Fluss mal niedrig genug ist, oder man geht zur neuen Bruecke hinter den Vitayatempel. Die erste Moeglichkeit ist eine Gluecksache, da erstaunlicherweise niemand in Hampi weiss wann der Damm, der zur Flutregulierung eingesatzt wird, geoeffnet oder geschlossen wird. Also kann man schon mal eine gute Woche warten. Alternativ kann man sich auch mit einem Nussschalen-aehnlichen Boot an der neuen  Bruecke (deren letzten 10 Meter nicht zu Ende gebaut wurden) uebersetzen lassen. Eventuell ist dies illegal, aber recht sicher. Die kreisrunden Boote aus Palmblaettern und geteerten Stoffen transportieren auch Motoraeder und das in Minutentakt  bei jedem Wasserstand.

Auf der anderen Seite kann einem Mumtass Begum mit Schuhen, Chalk und Crashpads ausstatten (die Sachen werden aber nur verliehen, nicht verkauft). Und auch Topos gibt es hier. Zum Schlafen bieten sich die Mogli-Huetten an, sie sind malerisch zwischen Reisfeldern am Fluss gelegen (Bei mir hat ein Zwei-Bettzimmer 100 Rupien gekostet). Essen sollte man sich bei Ankunft organisieren, d.h. fruehzeitig nachfragen, da alles geschlossen hat. Aber es bieten sich viele Koeche an, solange man sich rechtzeitig vorher ankuendigt.

Sehr zu empfehlen, sind die Kuchen die Radschu’s Frau (er wohnt in der Huette vor Mumtass Begum) auf Wunsch backt.

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Die Polizei in Hampi

August 15, 2006

Waehrend die Polzei mir in Bangalore nur helfend in Erscheinung getreten war, sieht es in Hampi genau anders aus. Beim ersten mal wollte ich abends auf einen nah gelegenen Matunga-Hill um mit meinen Handy zu telefonieren (in Hampi selber gibt es kein Netz). Hundert Meter, schon in Sichtweite von meinen Ziel, wurde ich von der Polizei gestoppt und musste umkehren. Als ich einen Tag spaeter den ueber die Ufer getretenen Fluss fotografieren wollte, das gleiche: Halt, nein, Fotografieren ist nicht erlaubt. Dritte Szene: Ich bouldere an einem Felsbrocken und setze mich nach erfolgreichen Abschluss oben drauf. Diesmal werde ich runter gebeten, und die Begruendung ist die selbe wie bei den anderen Malen zuvor: „Security reasons“. Ich vermute aber eher, dass das Einschreiten mit der wagen Hoffnung auf etwas Backschisch zu tun hatte. Dazu konnte ich mich aber irgendwie nicht aufraffen.

Abendessen

August 12, 2006

Auf dieser Flussseite waren wir vermutlich die einzigen Touristen, wehalb (fast?) alle Restaurants zu hatten. Entsprechend folgten wir dem Angebot von einem Dorfbewohner bei ihm in der Huette zu speisen. Die Huette bestand, ganz wie man sie sich vorstellt, nur aus Bambusrohr, Palmblaettern und Lehm. Der einzige Raum wurde von vier Personen (Mutter, Vater und zwei Kinder) bewohnt. Der Lehmboden war im Laufe der Jahre geglaettet und geebnet worden. Radschuh, unser Gastgeber, schwaermte von den geschmacklichen Vorzuegen der am offenen Feuer zubereiteten Speisen. Er lehnte Gas strikt ab, und verwies auf die Fliegen, die bei fehlenden Feuerrauch in die Huette kaemen. Und, als wir da so bei Kerzen- und Feuerschein im Kreise sassen, waehrend in der Mitte das juengste, sechs Monate alte Kind in einer Haengematte geschaukelt wurde, konnte man ihm nur mit leuchtenden Augen zustimmen. Auch wenn ich die Nacht spaeter gemuetlich im Bett mit Moskitonetz, ohne Rauch, aber dafuer mit Musik und Lichtschalter in Griffnaehe verbracht habe…

Waehrend der Ueberfahrt und bei der Ankunft auf der anderen Seite wurden Flo und ich zunaechst von Haschverkaeufern belagert. Alle Angebote abwaehrend, mieteten wir uns im Mogli-Gaestehaus ein, welches wunderschoene Huetten mit Flussblick anbietet. Von dort aus ging zu Mumtass Bacom (Begum?, ich habe ihren Namen nur so geschrieben, wie ich es aussprechen wuerde) einer Frau die Klettermaterial verleiht. Mit zwei Topos und einem zweiten gemieteten Crashpad von Franklin (!) ausgestattet, gings dann wieder in den Fels. Der bisherige Eindruck: der Fels auf dieser Seite ist wesentlich fingerfreundlicher und staerker abgegriffen als auf der Tempelseite. Ausserdem waren weniger Touristen und Dorfbewohner bei uns herum, so dass ich beim klettern nicht so auf unsere Sachen achten musste. Es gibt sehr viele und schoene Routen, und dabei auch einige an denen ich mich gerne abkaempfe. Anders als auf der Tempelseite, wo ich mir oft schon nach wenigen Versuchen blutige Finger geholt habe.

Ehekrisen

August 10, 2006

Die Haeuser in Hampi bestehen oft nur aus zwei Zimmern, wobei das zur Strasse hin meist als Restaurant oder Geschaeftsraum dient. Entsprechend ist viel mehr vom Familienleben oeffentlich. Gestern auf dem abendlichen Heimweg wurde ich zusammen mit Florian Zeugen eines Ehestreits. Eigentlich nicht nur wir sondern die ganze Nachbarschaft hat diesen mitbekommen. Als der Mann der Frau dann mehrmals mit erhobener Hand Schlaege angedroht hat, stellten sich dann nach und nach ca. 10 Nachbarn auf die Seite der Frau. Schweigend, mit verschraenkten Armen.

Der Mann hat dann noch versucht die Nachbarn zu ueberzeugen und ist dann weggegangen. Sehr eindrucksvoll.

Bouldern

August 7, 2006

Heute, nach einem kurzen Ausflug nach Hospet, der naechsten Stadt, war ich wieder im Fels. Dabei konnte ich eine sehr schoene – aber wie so oft – eine sehr scharf-kantige Route mit Dach bezwingen. Es war die erste Fingerunfreundliche Route die ich erst nach mehrmaligen antesten gezogen habe. Dabei wurde fuer mich aber auch deutlich, dass meine Grenzen in Hampi nicht in meiner Kraft, sondern mehr in meinen Fingern liegen. Immerhin drei Schnitte in die Finger hat mich die Route trotz Tape gekostet. Danach gabs nur erstmal nur noch Reibungsplatten zum klettern.

Auch gelernt habe ich heute, dass man beim erklettern eines Felsen immer den Rueckzug mitbedenken sollte. Heute haben wir zum warm machen den hoechsten Brocken in der Naehe ausgesucht. Er war auch leicht zu erklettern, aber der leichte Ueberhang erschwerte beim Rueckklettern die Trittsuche. Stattdessen drangen die recht tiefen Spalten beim nach unten Schuen besser ins Bewusstsein…

Zweiter Bouldertag

August 6, 2006

Heute immer noch eine unglaubliche Kulisse und am abend einige schoene Boulder. Leider habe ich das Gefuehl aufgrund des sehr spitzen Steins nicht ganz an meine sonstigen koeperlichen Grenzen zukommen. Dafuer habe ich heute erstmal ordentlich Tape verwendet. Die Fingerkuppen bleiben aber den ganzen Tag sehr gut durchblutet. Morgen will ich unbedingt meine Kletterschuhe einpacken und mich an einigen weiter entfernten Felsen versuchen. Falls wir noch ein Seil auftreiben koennen gibt es auch noch einen sehr spektakulaeren Ueberhang mit Riss der machbar aussieht. Mal schauen.

Die ersten Zuege

August 5, 2006

An dem ersten Ei angekommen und gleich die ersten Boulder, die Florian schon ausprobiert hat, nachgebouldert. Recht einfach aber schon recht spektakulaer. Nicht von den Routen an sich, aber aufgrund der Lage der Felsbrochen. Bei dem ersten Gebiet liegen sie auf einer langen schraegen Steinplatte was schon etwas anderes ist, als meine bisherigen Erfahrungen im Wald in Brandenburg oder am Plastik in der Kletterhalle. Dann die Griffe, bislang kein Blut, aber die Fingerspitzen sind heute nach wenigen Stunden schon „sehr gut durchblutet“ auch jetzt, Stunden nach dem Klettern. Der hoechste Boulder hatte heute vielleicht fuenf Meter, aber es gibt noch erheblich hoehere Routen einige sind auch mit Hacken versehen. Die Ei- oder Kugelform hat dabei auch Vorteile: der Ausstieg ist recht einfach. Kletterausruestung kann man auch ausleihen – aber nur auf der anderen Flussseite.

Hampi

August 5, 2006

Florian habe ich beim Wechsel meiner Unterkunft kennengelernt. Er hat neben uns gewohnt und hat beim Verlassen des Hotels mein neues Crashpad gesehen. Die ersten Boulder waren traumhaft. Ueberall liegen grosse, oft kugelrunde oder eifoermige Monolithen aus Granit deren ‚Haut‘ sich an manchen Stellen abzupellen scheint. Und hinter allen eine unglaubliche Kulisse. Hinter jedem Stein hinter jeder Biegung erblickt eine neue Landschaft die man auf einmal gar nicht fassen aknn. Ueberall diese riesigen Steinbrocken, die fast immer rund geschliffen sind und sich zu groesseren Huegeln aufstappeln. Und dabei wirken sie als wuerden sie jeden Moment losrollen. Und zwischen diesen Naturspektakel sind noch die Bananenplantagen, Palmen und vor allen die uralten Tempelanlagen zu sehen. Es ist auf einmal kaum zu erfassen.

Kaum ankommen, gleich eine Enttaeuschung. Hampi wird durch einen Fluss geteilt und die meisten Kletterrouten liegen auf der anderen Seite. Und der Wasserstand des Flusses verhindert ein Uebersetzen mit einem der Boote. Naja erstmal schlafen und am naechsten morgen weitersehen. Das umfahren ist auf jeden lang und recht umstaendlich. Auf der anderen Seite zu wohnen ist wohl auch nicht so toll, da dort fast nichts ist. Also es gibt schon einige Huetten, aber leben, Nahrung und alles sonstige ist halt hier. Gut: heute morgen dann ein Rundgang durch Hampi und jeden mal fragen ob es noch mehr Kletterer hier gibt. Ein enttaeuschendes Ergebnis. Vor einer Woche soll mal einer da gewesen sein. Solls das gewesen sein?

Gott sei dank nicht, bzw. um es mit dem Worten meines neuen Klettergefaehrten zu sagen, „Hallejula, Praise the lord!“ (Wie schreibt man eigentlich Hallejula?). Florian hat ein Praktikum in Indien gemacht und schwankt jetzt zwischen Joga und Kletteruebungen. Momentan neigt er wohl mehr zu letzteren und er hat sich schon als ortskundiger Fuehrer bewaehrt.