Dieser Bahnhof ist mein absoluter Lieblingsbahnhof. Bei den ersten Malen musste ich ueber die Gleise klettern weil der einzige Zugang zu den anderen Bahnsteigen eine Fussgaengerbruecke abgerissen wird. Weil diesmal ein Zug eine Gleisueberquerung behinderte, musste ein anderer Weg gefunden werden. Die einzige Moeglichkeit fuer mich und die anderen Reisenden war die halbabgerissene Fussgaengerbruecke. Hier waren Barikaden aus Schutt errichtet, die eine weitere Nutzung verhindern sollten. Zudem standen zwei Arbeiter da, die die Einhaltung der Regeln ueberwachen sollten. Die Gelaender waren schon abgerissen und der Boden wies schon Loecher auf. Das Licht funktionierte nur sporadisch, und vor den Barikaden wartete eine grosse Menschenmenge die versuchte diese zu erklimmen. Mit fortschreitender Zeit wurden die Anlaeufe stuermischer und schlieslich erfolgreich. Ein grandioses Spektakel, leider hatte ich der Hektik keine Zeit Fotos zumachen. Ich habs uebrigens auch geschafft.

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Die Landschaft ist malerisch, und die Menschen sind auch sehr offen und freundlich. Ein riesiger Sandstrand mit vielen und vor allen grossen Wellen. Schwimmen ist leider wegen der Stroemung verboten, aber auch das Eintauchen in die Wellen ist sehr schoen. Am Strand wird man allerdings direkt bei seiner Ankunft von ca. zehn Verkaeuferinnen umringt. Diese sind recht hartnaeckig aber freundlich. Vom Monsun ist hier genau wie in Hampi kaum etwas zu spueren: geregnet hat es bislang nicht.

Enttaeuschend war bislang das Essen, beim Fischcury bestand der Fisch aus einem sehr billigen Fisch, der trocken und graetig war. Die meisten Restaurants die im Lonely Planet empfohlen weden, sind ausserhalb der Reisesaison geschlossen. Dafuer ist hier aber auch alles billiger als zur Saison. 

ist ein echtes Erlebniss. Trotz einschlaegig eingeuebter Geduld, die ich mir an den Schaltern der deutschen Bahn erarbeitet habe, kamen mir die drei Stunden Wartezeit doch etwas lang vor. Andererseits hat man in dieser Zeit einiges zu tun. Denn fuer einen Bahnkartenkauf muss man zuvor einen Antrag ausfuellen, mit der Anzahl der Reisenden, ihrem Alter, ihren Namen, und ihrem Geschlecht. Das ist noch recht leicht, jedoch muss man auch die gewuenschten Abfahrts- und Zielbahnhoefe sowie die Zugnummern und Zugnamen, und die Abfahrtszeit und -datum eintragen. Das ist fuer den europaeischen Touristen noch schwieriger als fuer Inder. Fehler sind haeufig, weshalb man vorrausschauend alle in Frage kommenden Verbindungen und Namen aufschreibt. Denn ist man endlich an der Reihe, muss man die Antraege abgeben, und Falsche – auch falls nur Schreibfehler drauf sind – werden abgelehnt. Also steht Mann und Frau am Schalter mit einem Stapel von Antraegen und reicht diese nacheinander ein, bis schliesslich einer zum Erfolg fuehrt… Alternativ kann man Zugtickets auch ueber eine der vielen Reiseagenturen buchen, die ca. einen Euro pro Ticket Bearbeitungsgebuehr verlangen. Aber das waere ja langweilig… Allein schon das gemeinsame Raetslen mit den anderen Wartenden welche Verbindungen und Schreibweisen in Frage kommen ist sehr amuesant.

Wieder in Bangalore stand heute der Besuch der zentralen Festparade in der Naehe der Hauptstrasse an. Neben einigen folkloristischen Taenzen war eine Motoradbrigarde der Programmhoehepunkt. Zumindest wenn ich nach der Begeisterung meiner fast ausschlieslich maennlichen Publikumsumgebung gehe. Und, vermutlich auch abgehaertet von Stunts und Actionfilmen, erinnerte mich die Show eher an die erbaermliche Parkour-Show von vor ein paar Wochen, als an eine zentrale staatliche Feier. Ein Handstand auf einen Motorrad, oder der Sprung von einer einen Halb-Meter-Schanze? Gaehn! Ganz anders das Publikum das drueckte, schubste und draenglte und gierte nach mehr. Aber die sehen wohl auch nicht jeden Tag fernsehen.

Ausserdem unuebersehbar, sind die vielen Fahnen, die an Autos, Rikschahs und Gebaeuden aufgehaengt sind. Und eine Sonderausgabe von India Today einem indischen Politikmagazins. „India in numbers“ lautet der Titel und das stimmt durchaus. Zahlen findet man sehr viele drinnen, aber leider vermisse ich eine Idee, eine Aussage oder auch nur eine Fragestellung. Beim durchlesen des Textes bleibt nichts haengen, anders als bei den meisten anderen Artikeln. Die sind fuer mich ueberraschend gut. Meist werden die Quellen genannt, die Themensetzung ist vielfaeltig und Politik- und Wirtschaftslastig. Zurueck zum Hauptartikel: Indien wird immer mit den USA und mit China verglichen, meist in Wirtschaft, Gesundheit (Anzahl der Krankenhausbetten pro Einwohner, allgemeine Gesundheitsausgaben) und Bildung (Anzahl der Doktoranten, der Colleges etc).

Ganz anders dagegen die interviewte Prominenz: Einer fordert ein groesseres kulturelles Selbstbewusstsein; ein anderer beklagt die zunehmende Umweltverschmutzung; der dritte die zunehmende soziale Ungleichheit. Fehlt irgendwie nur noch die Euphorie und der Stolz, der auf der Strasse zu finden war.

Strassenreinigung

August 4, 2006

Jeden abend oder morgen wird vor dem Hauseingang die Strasse geschrubbt. Recht gruendlich und mit viel Wasser. Ein Umstand der die nicht vorhandene Strassenreinigung ersetzt. Motivation ist aber weniger die Reinlichkeit des Strassenbilds als vielmehr das Wegwaschen der Bemalung des Vortages. Denn jeden Tag wird ein neues zum Teil recht aufwendiges Muster vor die Strassentuer gemalt. Das soll Glueck bringen.

Verkehr

August 4, 2006

Der Verkehr in Indiens grossen Staedten gilt zurecht als gefaehrlich. Allerdings ist er auch sehr effektiv: grosse Menschen und Warenmengen werden auf engsten Strassen tagtaeglich durchgeschleusst. Das chaotische System das groesstenteils auf die Respektierung von Verkehrzeichen und -regeln verzichtet, garantiert aeusserst guenstige Transportmoeglichkeiten, die sich auch aemere Personen leisten koennen. Der Verzicht der Trennung von den Fahrtrichtungen ermoeglicht das flexible Anpassen der Breite derselben nach Bedarf. Ein System mit europaeischen Regeln wuerde unmittelbar kollabieren. Zuviele Fahrzeuge auf zuwenig Platz. Die wichtigste sicherheitsrelevante Funktion ist die Hupe. Einen Fahrradfahrer, der ohne das Aequivalent der Klingel ausgestattet war, konnte ich nicht ausweichen, da ich ihn nicht gehoert hatte. Der Zusammenstoss war nciht schlimm, aber absteigen musste der Radfahrer trotzdem. Ausserdem war lustig war an diesen Abend, die Gruppe Kinder seelenruhig, extra langsam vor dem wildhupenden Auto herlief. Der Verkehr ist wohl der einzige Bereich in dem ziviler Ungehorsam geduldet ist.

Hindu-Tempel

August 2, 2006

Am Anfang wurde erstmal das Gepaeck durchsucht, anschliessend musste man die Kameras abgegeben, Fotos sind im Tempelinnern verboten. Nachdem dann auch die Schuhe ausgezogen und abgegeben waren, durften wir rein. Beziehungsweise zum Gebet: 108 (wie im Hinduismus ueblich) Platten lagen vor uns, und auf jeder sollte das Mandra “

Hare Krishna Hare Krishna

Krishna Krishna Hare Hare

Hare Rama Hare Rama

Rama Rama Hare Hare

gesagt werden. Wobei die Aussprache von  Hare stark an ein Hey errinnert. Da Ueberholen unmoeglich war machten auch alle Besucher mit. Anschliesend wurden wir in einen genau vorgegebenen Weg durch die Tempelanlage geschleust. Der Tempel war entweder ganz oder groesstenteils neu errichtet. Der Tempel war gut besucht und, sagen wir, stark belebt. In der Haupthalle gab es einen Buchgeschaeft mit doch recht engagierten Haendlern; es gab ebenso engagierte Spendensammler und sehr viele indische Familien die sich in der Halle niedergelassen hatten. Die Familien unterhielten sich zum Teil recht angeregt, Kinder schriehen, am Hauptheiligtum wurde im Hintergrund gerade gebaut, waehrend vorne dran ein Moench irgendwelche Zeremonien durchfuehrte, die nur durch sein gelegentliches Kratzen an Nase oder am Haupthaar unterbrochen wurden. Fuenf Minuten spaeter, nach getaner Arbeit liess er sich dann in einem Plastiksessel nieder, ueberkreuzte die Beine und und erfreute sich der Armlehnen. Aus dieser im doch um einigeres behaglicheren Position beobachtete er das rege Treiben um sich herum.

Nach der Haupthalle kam dann eine grosse Shopping und Gastronomiezeile: es gab Postkarten, Devotionalien, Lebensmittel, Kleider, Imbisse, ein Restaurant, Biolebensmittel ein Kino und einiges mehr.

Insgesamt erinnerte mich der Tempel mehr an einen grossen Marktplatz als an eine europaeische Kirche. Das ist aber nicht abwertend gemeint: immerhin wird dort gelebt, und vielleicht steht der lockere Umgang mit dem Tempel ja auch fuer einen freieren und ungezwungeneren Umgang mit Religion. Sicherlich sind die ganzen Geschaefte darauf aus Geld zuverdienen,  aber dafuer gibts es ja auch keine Kirchensteuer… Und der Tempel foerdert ja nicht nur oekologische Landwirtschaft, betreibt ein Programm zum Schutz der Kuh, sondern bietet auch 120.000 Kindern seiner Umgebung auch ein kostenloses Mittagessen an. 

Bangalore ist anders

Juli 27, 2006

Es gibt Buergersteige, Strassenmarkierungen, Ampeln mit Countdown bis zur Gruenphase, wenige Bettler und die Bettler,die ich getroffen habe, hatten kein Lepra oder es war schon ausgeheilt. In Geschaeften wird man nicht festgehalten; viele Waren haben sogar Preisschilder. Der Friseur meinte, nach der sehr langen Schultermassage: Den Preis solle ich festlegen. In anderen Teilen Indiens unvorstellbar. In den Rikschas funktioniert das Taxometer, man braucht nicht um den Preis zu feilschen, und obwohl offensichtlich ist, dass ich mich nciht auskenne werden keine Umwege gefahren. Und vor allen, er hatte sogar Wechselgeld. Was bei meinen frueheren Besuchen ein beliebter Trick war etwas mehr zu kassieren. Auch in den Wohnvierteln gibt es keine abgesperrten Strassen die von Wachmaennern in phantasievollen Uniformen mit uralten Schiesspruegeln (z.B. mit Vorderladern) bewacht werden.

Auch in den Wohnvierteln der unteren Mittelschicht sind die Strassen asphaltiert. Es gibt eine funktionierende Muellabfuhr. Die Strassen sind recht sauber und das Klima ist schon fast mitteleuropaeisch. Es wird nicht heisser als 35 Grad weshalb Bangalore als Rentnerparadies Indiens gilt. Ist das Indien? Oder hat sich Indien in den letzten drei Jahren so geaendert?

Immerhin, die Zigaretten werden noch einzeln verkauft, die Fussgaenger ignorieren die Ampeln; und die Rikschahfahrer fluechten kolletiv beim Anblick eines jeden Polizisten und verzichten sogar das Fahrtgeld zu kassieren. Indien soft, sozusagen.

Klettern

Juli 20, 2006

Klettern in Indien. Das wollte ich in Hampi. Nachdem ich Kamesh getroffen hatte, durfte / musste ich schon gestern. Kuenstliche Kletterwaende gibt es wohl auch in Bangalore. 15 Meter hoch, 3,5 Meter Ueerhang, dafuer riesige Henkel als Griffe, die amtierende indische Meisterin bei den Frauen als Kletterpartnerin, und eine erwartungsfrohe Masse an indischen Kletterern, die gespannt auf meine Kuenste warteten. Profil Wand Eins

Zum Glueck haben sie nur beim ersten Mal alle zugeschaut denn da kam ich noch gut hoch. Danach, ohne Pause hatte ich schon ziemlich dicke Arme… Sehr strikt sind sie bei der beim Sichern. Ins Seilsetzen gibt es nicht. Entweder man schafft es oder nicht.

Profil Wand Zwei

Die Seile sind ok, alle Toprope, der Zustand ist nicht optimal, aber besser als so manches in Berliner Hallen.

Bilder folgen.