Der indische Unabhaengigkeitstag

August 15, 2006

Wieder in Bangalore stand heute der Besuch der zentralen Festparade in der Naehe der Hauptstrasse an. Neben einigen folkloristischen Taenzen war eine Motoradbrigarde der Programmhoehepunkt. Zumindest wenn ich nach der Begeisterung meiner fast ausschlieslich maennlichen Publikumsumgebung gehe. Und, vermutlich auch abgehaertet von Stunts und Actionfilmen, erinnerte mich die Show eher an die erbaermliche Parkour-Show von vor ein paar Wochen, als an eine zentrale staatliche Feier. Ein Handstand auf einen Motorrad, oder der Sprung von einer einen Halb-Meter-Schanze? Gaehn! Ganz anders das Publikum das drueckte, schubste und draenglte und gierte nach mehr. Aber die sehen wohl auch nicht jeden Tag fernsehen.

Ausserdem unuebersehbar, sind die vielen Fahnen, die an Autos, Rikschahs und Gebaeuden aufgehaengt sind. Und eine Sonderausgabe von India Today einem indischen Politikmagazins. „India in numbers“ lautet der Titel und das stimmt durchaus. Zahlen findet man sehr viele drinnen, aber leider vermisse ich eine Idee, eine Aussage oder auch nur eine Fragestellung. Beim durchlesen des Textes bleibt nichts haengen, anders als bei den meisten anderen Artikeln. Die sind fuer mich ueberraschend gut. Meist werden die Quellen genannt, die Themensetzung ist vielfaeltig und Politik- und Wirtschaftslastig. Zurueck zum Hauptartikel: Indien wird immer mit den USA und mit China verglichen, meist in Wirtschaft, Gesundheit (Anzahl der Krankenhausbetten pro Einwohner, allgemeine Gesundheitsausgaben) und Bildung (Anzahl der Doktoranten, der Colleges etc).

Ganz anders dagegen die interviewte Prominenz: Einer fordert ein groesseres kulturelles Selbstbewusstsein; ein anderer beklagt die zunehmende Umweltverschmutzung; der dritte die zunehmende soziale Ungleichheit. Fehlt irgendwie nur noch die Euphorie und der Stolz, der auf der Strasse zu finden war.

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