Viel gibt es aus Goa irgendwie nicht zuberichten: Strandbesuche mit sonnen, einkaufen und essen steht hier auf meinen Programm. Aufregend ist von Zeit zu Zeit noch die Fauna Goas, wie heute morgen als mit eine besonders fette Spinne (mit ca. 1,5 cm Leibesdurchmesser) aus meinen Rucksack ueber die Hand gelaufen ist. Auch die auffallend grosse Kackerlacke im Bad wollte erstmal gefangen und in die Toilette entsorgt werden. Entsprechend begeistert wurde der Einzug des Insektenfressenden Geckos im Bad gestern abend begruesst. Essen? Nachdem ich gestern in dem Biorestaurant „Blue Tao“ in Anjuna gegessen habe (essen ok, aber nichts besonderes) verlasse ich heute Goa und freue mich auf Badami.

Hippie-Goa Vagator?

August 30, 2006

Gestern stand ein Besuch in Vagator einen der „letzten Hippie-Orte Goas“ auf dem Programm. Hippie-Ort? Von wegen! Lanschaftlich war die raue, sehr felsige Kuestenlandschaft zwar reizvoll, aber im Ort waren wie ueberall in Goa die Restaurants, Bars, Gaestehaeusern und Werbetafeln nebeneinander gereiht. Kein Haus war davon ausgelassen, und beim Spaziergang durch die Strasse wurde man wie ueberall alle fuenf Meter von Haendlern angehalten. Lediglich dass Angebot der Haendler unterschied sich geringfuegig von dem der anderen Orte: Muscheln statt Steinen. Hippie-Goa gibt es wohl nicht mehr!

Goas Monsun

August 29, 2006

Mittlerweile habe ich zum ersten Mal den indischen Monsun kennengelernt. Gestern hat es den ganzen Tag geregnet – und dass richtig! Erst abends bestand die Moeglichkeit mal kurz zum essen meine Unterkunft zu verlassen. Ansonsten ist Goa fuer Indien extrem teuer. Fuer ein warmes Essen wir man hier problemlos fuenf Euro los, ein Betrag fuer den ich in Bangalore eine Woche haette speisen koennen. In den Geschaeften gibt es hier alles was man auch in Europa bekommt, die Internetverbindungen sind gut. Nur Buergersteige gibt es keine, weshalb man oft von den Fahrzeugen nass gespritzt wird – diese sind schlieslich ueberflutet.

Essen in Goa

August 27, 2006

Der heutige Pomfrete (Scholle?!) war ganz fein. Aber trotzdem finde ich es erstaunlich dass es nur drei Fischsorten auf der Karte gibt: Kingfish, Hai und eben Scholle. Fuer eine Region die fuer ihre Fischgerichte beruehmt ist, finde ich das etwas wenig.

Die Landschaft ist malerisch, und die Menschen sind auch sehr offen und freundlich. Ein riesiger Sandstrand mit vielen und vor allen grossen Wellen. Schwimmen ist leider wegen der Stroemung verboten, aber auch das Eintauchen in die Wellen ist sehr schoen. Am Strand wird man allerdings direkt bei seiner Ankunft von ca. zehn Verkaeuferinnen umringt. Diese sind recht hartnaeckig aber freundlich. Vom Monsun ist hier genau wie in Hampi kaum etwas zu spueren: geregnet hat es bislang nicht.

Enttaeuschend war bislang das Essen, beim Fischcury bestand der Fisch aus einem sehr billigen Fisch, der trocken und graetig war. Die meisten Restaurants die im Lonely Planet empfohlen weden, sind ausserhalb der Reisesaison geschlossen. Dafuer ist hier aber auch alles billiger als zur Saison. 

Kommt man nach Hampi zur Regenzeit, findet man meist recht wenige Kletterer. Auf der Tempelseite fehlt eine zentrale Anlaufstelle. Ich habe meine Kletter-Bekanntschaften vor allen meinen Crashpad zuverdanken, dass ein gutes Erkennungszeichen war. Durchfragen war leider erfolglos. Im Zweifelsfall wuerde ich mal mit ein paar Kletterschuhen um den Hals durch Hampi laufen.

Kletterausruestung gibt es auf der Tempelseite auch nicht, angeblich gibt es ein Geschaeft mit Klettersachen in Hospet, aber mit sehr kleiner Auswahl.

Deshalb heisst es auf die andere Seite zu kommen. Dafuer stehen einen zwei Moeglichkeiten zur Verfuegung: entweder man wartet darauf, dass der Fluss mal niedrig genug ist, oder man geht zur neuen Bruecke hinter den Vitayatempel. Die erste Moeglichkeit ist eine Gluecksache, da erstaunlicherweise niemand in Hampi weiss wann der Damm, der zur Flutregulierung eingesatzt wird, geoeffnet oder geschlossen wird. Also kann man schon mal eine gute Woche warten. Alternativ kann man sich auch mit einem Nussschalen-aehnlichen Boot an der neuen  Bruecke (deren letzten 10 Meter nicht zu Ende gebaut wurden) uebersetzen lassen. Eventuell ist dies illegal, aber recht sicher. Die kreisrunden Boote aus Palmblaettern und geteerten Stoffen transportieren auch Motoraeder und das in Minutentakt  bei jedem Wasserstand.

Auf der anderen Seite kann einem Mumtass Begum mit Schuhen, Chalk und Crashpads ausstatten (die Sachen werden aber nur verliehen, nicht verkauft). Und auch Topos gibt es hier. Zum Schlafen bieten sich die Mogli-Huetten an, sie sind malerisch zwischen Reisfeldern am Fluss gelegen (Bei mir hat ein Zwei-Bettzimmer 100 Rupien gekostet). Essen sollte man sich bei Ankunft organisieren, d.h. fruehzeitig nachfragen, da alles geschlossen hat. Aber es bieten sich viele Koeche an, solange man sich rechtzeitig vorher ankuendigt.

Sehr zu empfehlen, sind die Kuchen die Radschu’s Frau (er wohnt in der Huette vor Mumtass Begum) auf Wunsch backt.

ist ein echtes Erlebniss. Trotz einschlaegig eingeuebter Geduld, die ich mir an den Schaltern der deutschen Bahn erarbeitet habe, kamen mir die drei Stunden Wartezeit doch etwas lang vor. Andererseits hat man in dieser Zeit einiges zu tun. Denn fuer einen Bahnkartenkauf muss man zuvor einen Antrag ausfuellen, mit der Anzahl der Reisenden, ihrem Alter, ihren Namen, und ihrem Geschlecht. Das ist noch recht leicht, jedoch muss man auch die gewuenschten Abfahrts- und Zielbahnhoefe sowie die Zugnummern und Zugnamen, und die Abfahrtszeit und -datum eintragen. Das ist fuer den europaeischen Touristen noch schwieriger als fuer Inder. Fehler sind haeufig, weshalb man vorrausschauend alle in Frage kommenden Verbindungen und Namen aufschreibt. Denn ist man endlich an der Reihe, muss man die Antraege abgeben, und Falsche – auch falls nur Schreibfehler drauf sind – werden abgelehnt. Also steht Mann und Frau am Schalter mit einem Stapel von Antraegen und reicht diese nacheinander ein, bis schliesslich einer zum Erfolg fuehrt… Alternativ kann man Zugtickets auch ueber eine der vielen Reiseagenturen buchen, die ca. einen Euro pro Ticket Bearbeitungsgebuehr verlangen. Aber das waere ja langweilig… Allein schon das gemeinsame Raetslen mit den anderen Wartenden welche Verbindungen und Schreibweisen in Frage kommen ist sehr amuesant.

Wieder in Bangalore stand heute der Besuch der zentralen Festparade in der Naehe der Hauptstrasse an. Neben einigen folkloristischen Taenzen war eine Motoradbrigarde der Programmhoehepunkt. Zumindest wenn ich nach der Begeisterung meiner fast ausschlieslich maennlichen Publikumsumgebung gehe. Und, vermutlich auch abgehaertet von Stunts und Actionfilmen, erinnerte mich die Show eher an die erbaermliche Parkour-Show von vor ein paar Wochen, als an eine zentrale staatliche Feier. Ein Handstand auf einen Motorrad, oder der Sprung von einer einen Halb-Meter-Schanze? Gaehn! Ganz anders das Publikum das drueckte, schubste und draenglte und gierte nach mehr. Aber die sehen wohl auch nicht jeden Tag fernsehen.

Ausserdem unuebersehbar, sind die vielen Fahnen, die an Autos, Rikschahs und Gebaeuden aufgehaengt sind. Und eine Sonderausgabe von India Today einem indischen Politikmagazins. „India in numbers“ lautet der Titel und das stimmt durchaus. Zahlen findet man sehr viele drinnen, aber leider vermisse ich eine Idee, eine Aussage oder auch nur eine Fragestellung. Beim durchlesen des Textes bleibt nichts haengen, anders als bei den meisten anderen Artikeln. Die sind fuer mich ueberraschend gut. Meist werden die Quellen genannt, die Themensetzung ist vielfaeltig und Politik- und Wirtschaftslastig. Zurueck zum Hauptartikel: Indien wird immer mit den USA und mit China verglichen, meist in Wirtschaft, Gesundheit (Anzahl der Krankenhausbetten pro Einwohner, allgemeine Gesundheitsausgaben) und Bildung (Anzahl der Doktoranten, der Colleges etc).

Ganz anders dagegen die interviewte Prominenz: Einer fordert ein groesseres kulturelles Selbstbewusstsein; ein anderer beklagt die zunehmende Umweltverschmutzung; der dritte die zunehmende soziale Ungleichheit. Fehlt irgendwie nur noch die Euphorie und der Stolz, der auf der Strasse zu finden war.

Die Polizei in Hampi

August 15, 2006

Waehrend die Polzei mir in Bangalore nur helfend in Erscheinung getreten war, sieht es in Hampi genau anders aus. Beim ersten mal wollte ich abends auf einen nah gelegenen Matunga-Hill um mit meinen Handy zu telefonieren (in Hampi selber gibt es kein Netz). Hundert Meter, schon in Sichtweite von meinen Ziel, wurde ich von der Polizei gestoppt und musste umkehren. Als ich einen Tag spaeter den ueber die Ufer getretenen Fluss fotografieren wollte, das gleiche: Halt, nein, Fotografieren ist nicht erlaubt. Dritte Szene: Ich bouldere an einem Felsbrocken und setze mich nach erfolgreichen Abschluss oben drauf. Diesmal werde ich runter gebeten, und die Begruendung ist die selbe wie bei den anderen Malen zuvor: „Security reasons“. Ich vermute aber eher, dass das Einschreiten mit der wagen Hoffnung auf etwas Backschisch zu tun hatte. Dazu konnte ich mich aber irgendwie nicht aufraffen.

Abendessen

August 12, 2006

Auf dieser Flussseite waren wir vermutlich die einzigen Touristen, wehalb (fast?) alle Restaurants zu hatten. Entsprechend folgten wir dem Angebot von einem Dorfbewohner bei ihm in der Huette zu speisen. Die Huette bestand, ganz wie man sie sich vorstellt, nur aus Bambusrohr, Palmblaettern und Lehm. Der einzige Raum wurde von vier Personen (Mutter, Vater und zwei Kinder) bewohnt. Der Lehmboden war im Laufe der Jahre geglaettet und geebnet worden. Radschuh, unser Gastgeber, schwaermte von den geschmacklichen Vorzuegen der am offenen Feuer zubereiteten Speisen. Er lehnte Gas strikt ab, und verwies auf die Fliegen, die bei fehlenden Feuerrauch in die Huette kaemen. Und, als wir da so bei Kerzen- und Feuerschein im Kreise sassen, waehrend in der Mitte das juengste, sechs Monate alte Kind in einer Haengematte geschaukelt wurde, konnte man ihm nur mit leuchtenden Augen zustimmen. Auch wenn ich die Nacht spaeter gemuetlich im Bett mit Moskitonetz, ohne Rauch, aber dafuer mit Musik und Lichtschalter in Griffnaehe verbracht habe…