Der Dalai Lama

Juli 31, 2006

In Choklamsar in Ladakh hat der Dalai Lama seine Sommerresidenz. Vor allen weil in Ladakh sehr viele tibetische Fluechtlinge leben. In der Zeit in der ich da war, stand gerade ein Besuch des Dalai Lamas an. Da bei jedem Besuch des Dalai Lama immer auch oeffentliche „Teachings“ stattfinden und aus dem ganzen Land Moenche und Bauern anreisen war es naheliegend sich das auch mal anzuschauen. Anwesende Europaer bekamen alle einen Ehrenplatz in den ersten Reihen. Viel zuhoeren konnte ich nicht nur wegen der recht schlechten englischen Uerbersetzung nicht, sondern vor allen wegen der extremen Temperaturen und dem nicht vorhandenen Schatten. Bei der ersten Pause wollte ich deshalb wieder weg. Aehnliche Gedanken hatten wohl auch zahlreiche Moenchsorden, die mit ihren zum Teil sehr kleinen Schuelern angereist waren. Doch waren diese wohl ein solches Gedraenge in ihren ruhigen Kloestern nicht gewohnt. Stattdessen erfasste zahlreiche der aelteren Moenche Panik von ihrem Orden getrennt zu werden. Diese Folge war ein wildes Rumgeschlage, Getrete und Gefluche. Die am Rand stehenden Soldaten die wohl zum Schutz des Dalai Lama abgestellt waren, beteiligten sich sehr ungeniert an der Klopperei mit ihren Gewehren die auch gute Schlagstoecke abgaben. Neben dem Aengsten die die Menschenmasse bei den Moenchen ausgeloest haben muss, scheinen diese von mir als so friedlich eingeschaetzten Menschen doch auch eine erhebliches Aggresionspotential in sich zu tragen…

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Auf einer meiner naechtlichen Heimfahrten von Leh nach Dechavan im letzten Bus des Tages kam es zu einer fuer mich recht bedrohlichen Sitatuation. Draussen war es schon dunkel und der Bus war fast voll besetzt. Die Besatzung des Busses bestand aus dem Fahrer und dem Fahrkartenkontrolleur und -verkaeufer. Besagter Fahrkartenkontroleur begann waehrend der Fahrt mit der Kontrolle und dem Verkauf der Fahrkarten. Zwei bis drei Reihen vor mir sassen da zwei junge Ladakhis, in westlicher Kleidung (breite Jeans, T-Shirts und Baseballkappen). Die beiden gaben dem Kontroleur bei der Kontrolle auch gleich einen Geldschein, und bekamen Rueckgeld und Fahrkarten vom Kontroleur. Dann gabs eine kurze und sehr schnell auch lautstarke Auseinandersetzung. Bei spaeteren Nachfragen erfuhr ich dass die beiden Jugendlichen der Meinung waren, der Kontroleur haette ihnen das falsche Rueckgeld gegeben. Da die Kontrahenten sich nicht einigen konnten, wurden die Jugendlichen handgreiflich, weshalb es bald zu einer sehr heftigen Schlaegerei kam. Als ob das noch nciht genug gewesen waere, beteiligten sich nach und nach fast alle Businsassen. Aufgrund meiner relativen Naehe zum Konfliktherd fluechtete ich mich erstmal unter meinen Sitz, was mich auch von Tritten und Schlaegen weitgehend verschonte. Kurz darauf, fuhr dann der Bus links ran, was aufgrund des unbefestigten Fahrbahnrand, zu starken Schaukelbewegungen des Buses fuehrte. Meine Hoffnung, dass der Fahrer versuchen wuerde Polizei oder die allgegenwaertige Armee (die Armee regelte zum Teil auch den Strassenverkehr) zur Hilfe holen wuerde erfuellte sich nicht. Stattdessenbrachte er seine zwei Faeuste zur Unterstuetzung seines Kompagnons ein. Im Bus bildete sich entsprechend ein grosses Menschenknaeul, waehrend ich und drei andere Fahrgaeste aus den Fenstern des Buses kletterten. Einige Minuten spaeter klaerte sich die Gefechtslage auf, und alle begaben sich wieder in ihre gewohnten Plaetze, ich steige wieder ein, und der Bus faehrt weiter. Kurz darauf, wieder einige Wortwechsel zwischen Kontrolleur und den Jugendlichen. Der Ablauf aehnelt dem ersten Teil, nur das der Busfahrer diesmal schneller anhielt und ich schneller draussen war…

Angekommen in Leh, die auf 3500 Meter Hoehe liegt und die Hauptstadt Ladakhs ist, bin ich weiter nach Devachan gefahren. Dort habe ich in einer Schule mit angeschlossenen Nonnenkloster gewohnt. Diese wie auch einige weitere soziale Einrichtungen werden vom Verein Kinder des Himalaya gefoerdert. Da Devachan sehr klein ist, bin ich damals regelmaessig mit dem Bus in die Hauptstadt Ladakhs Leh gefahren. Ladakh gehort zu der Region Kashmir und liegt an der Grenze zum Tibet/China. Die Bewohner sind ueberwiegend Buddhisten und ihre Sprache ist dem tibetischen sehr aehnlich. Aufgrund dieser Gemeinsamkeiten leben in Ladakh sehr viele Exiltibeter die nach der Besetzung des Tibets nach Indien geflohen sind. Auch der Dalai Lama hat ganz in der Ladakh seine Sommeresidenz. Wie man sich die Buddhisten und Tibeter als Euopaeer vorstellt, sind auch die Ladakhi sehr ruhige, friedliche und freundliche Menschen. Auch die aermsten Fluechtlinge die schon seit jahrzehnten in Slums wohnen sind auesserst freundlich, und sidn bereit einem jeden Gefallen zu tun. Einmal ist eine schon sehr alte Frau mit gekruemmten Ruecken im Bus aufgestanden, damit ich einen Sitzplatz bekam. Als ich diesen ausschlagen wollte hat der ganze Bus protestiert. Gastfreundschaft, wurde mir spaeter erklaert, sei dort sehr wichtig und das Ausschlagen eines solchen Gefallens eine Beleidigung. Muell faellt in Ladakh kaum an, da ausnahmslos alles wiederverwertet wird. Die laengste Zeit des Jahres ist der Flughafen gesperrt und die Paesse sind unpassierbar. Aber in der dort bin ich auch die beiden einzigen Male in Indien Gewalt begegnet: und beide Male in sehr unterschiedlichen und ueberraschenden Orten. Siehe hier Teil Eins und Teil Zwei.

Buerokratieabbau

Juli 29, 2006

Bei meinen ersten Indienaufenthalt musste ich in jeden Hotel, bei jedem Flug angeben, wo ich herkomme, wo ich in Indien schon gewesen bin (mit den jeweiligen Adressen der Hotels), Pass- und Wisumnummer, den Geburtsnamen meiner Mutter, plus Geburtsdaten der Eltern Heiratsdatum und was weiss ich nciht alles. Alles, musste auf der vierseitige A4 Dokument passen und wurde, sofern moeglich, penibel ueberprueft – auch in der billigsten 100 Rupien-Absteige. Diesmal war beim einchecken im Hotel nichtmal mein Pass notwendig, und beim Kauf der SIM-Karte wurde ich als Mr. Pascal eingetragen… Mein Familienname fehlt voellig.

Restaurants

Juli 28, 2006

An blinkende Lichter aus moeglichen Ecken bin ich ja schon durch die Besuche von Imbissbuden tuerkisch oder arabischstaemmiger Inhaber gewohnt. Davon gibt es in Bangalore erfreulich wenig. Lediglich unser Taxifahrer der uns zur Trekkingroute gebracht hat, hatte sein Auto mit bunt-blinkenden Scheinwerfen und einem ebendso bunt-blinkenden Licht im Fahrzeuginnern ausgestattet. In den meisten Restaurants herrscht dagegen eine Kantinenatmosphaere vor, blanke Edelstahltresen ohne Sitzmoeglichkeit oder Plastiktische und -stuehle bestimmten das Lokalinnere. Das gilt auch fuer die teureren Restaurants, einzige Ausnahme sind die westlich-modern eingerichteten Cafe-Ketten die weit verbreitet sind.

Sir, pass me

Juli 27, 2006

Dienstleister sprechen ihre Kunden mit Sir an. Auch aeltere, maenliche, nicht Familienmitglieder werden so genannt. Beim heutigen Fussballspiel in der Naehe des Kanteerava-Stadiums mit einigen indischen Kletterern war auch ein Mann dabei der etwa zehn Jahre aelter war als die anderen. Folge, alle mich eingeschlossen wurden mit den Vornamen gerufen, der besagte Mann, mit „Sir“. Lustig.

Bangalore ist anders

Juli 27, 2006

Es gibt Buergersteige, Strassenmarkierungen, Ampeln mit Countdown bis zur Gruenphase, wenige Bettler und die Bettler,die ich getroffen habe, hatten kein Lepra oder es war schon ausgeheilt. In Geschaeften wird man nicht festgehalten; viele Waren haben sogar Preisschilder. Der Friseur meinte, nach der sehr langen Schultermassage: Den Preis solle ich festlegen. In anderen Teilen Indiens unvorstellbar. In den Rikschas funktioniert das Taxometer, man braucht nicht um den Preis zu feilschen, und obwohl offensichtlich ist, dass ich mich nciht auskenne werden keine Umwege gefahren. Und vor allen, er hatte sogar Wechselgeld. Was bei meinen frueheren Besuchen ein beliebter Trick war etwas mehr zu kassieren. Auch in den Wohnvierteln gibt es keine abgesperrten Strassen die von Wachmaennern in phantasievollen Uniformen mit uralten Schiesspruegeln (z.B. mit Vorderladern) bewacht werden.

Auch in den Wohnvierteln der unteren Mittelschicht sind die Strassen asphaltiert. Es gibt eine funktionierende Muellabfuhr. Die Strassen sind recht sauber und das Klima ist schon fast mitteleuropaeisch. Es wird nicht heisser als 35 Grad weshalb Bangalore als Rentnerparadies Indiens gilt. Ist das Indien? Oder hat sich Indien in den letzten drei Jahren so geaendert?

Immerhin, die Zigaretten werden noch einzeln verkauft, die Fussgaenger ignorieren die Ampeln; und die Rikschahfahrer fluechten kolletiv beim Anblick eines jeden Polizisten und verzichten sogar das Fahrtgeld zu kassieren. Indien soft, sozusagen.

Haare ab

Juli 25, 2006

Gestern habe ich mich von meiner Haarpracht getrennt. 70 Cent, inclusive Gesichtspeeling, Rueckenmassage und und Bart trimmen.

Internet in Indien

Juli 25, 2006

 Nur wer sich wundert, je nachdem in welchen Internetcafe ich mich auf halte funktionieren unterschiedliche Webmail-oberflaechen. Entsprechend antworte ich von recht unterschiedlichen aus.

Update: Eben war ich in einem „Browsing Center“ da wurde sogar https aus „Sicherheitsgruenden“ blockiert…

Gleichberechtigung

Juli 25, 2006

Auf der Taxifahrt im Auto, sitzen wir recht dicht gedraent zu neunt im Auto: drei Frauen und sechs Maenner. Der Verkehr ist gewohnt aufregend, staendiges Hupen (zum Einleiten wie Abschliesen des Ueberholvorgangs, sein eigenes Erscheinen in Kurven und Kreuzungen ankuendigen), Ausweichmanoever wegen der vielen Schlagloecher und Geisterfahrer, sowie das haeufige Abbremsen vor den „Bremshubeln“ und das anschliesende beschleunigen. Die indischen Mitfahrer ertragen dies weitgehend emotionslos und beteiligen sich an lebhaften Diskussionen. So unter anderem zur Gleichberechtigung von Mann und Frau in Indien. Eine sehr selbstbewusst-modern auftretende Frau beschwert sich: Zwar koennten Frauen eine guten Ausbildung bekommen und gute Jobs finden. Aber sobald die Heirat, Familie und Kinder anstehen, ist es aus mit der Karriere. Eine Mutter findet nie wieder einen Job. Und die Maenner sind schuld: Die Ehemaenner versuchen ihre Frauen gezielt von Arbeitswelt fernzuhalten, und setzen sogar die Kinderplannung als Waffe ein. Die indischen Maenner reagieren recht schroff, die Frauen sollen sich doch selbst durchsetzen, sind nicht „straight“, ihnen fehle der Wille zum Erfolg. Und alles liegt an, na wem wohl? Na an den Muettern die ihre Kinder und Toechter  sperziehen. Insgesamt war die Stimmung recht aufgeheizt. Und gerade die recht modernen indischen Maenner stellten sich auf den Standpunkt, Frauen duerfen alles, und wenn sie nicht alles „schaffen“ ist es ihre eigene Schuld.

Die Stimmung ist recht geladen, die meisten Kommentare polemisch. Ich beteilige mich kaum an der Diskussion kaum, und gebe den Maennern nur zwei, wie ich finde interessante und richtige Thesen bzw. empirischen Befunde aus der deutschen Debatte mit auf den Weg:

– Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau die den Haushalt macht. Jede erfolgreiche Frau ist alleine.

 – Maenner sind benachteiligt: Maenner haben nur eine moegliche Rolle, sie koennen arbeiten oder arbeitslos sein. Frauen koennen arbeiten oder Hausfrauen sein. Logische Folgerung: Maenner an den Herd!

Die beiden Aussagen wurden anschliesend unter den indischen Maennern diskutiert, aber mir gegenueber wurde keine weitere Aeusserung dazu gemacht.