Auf einer meiner naechtlichen Heimfahrten von Leh nach Dechavan im letzten Bus des Tages kam es zu einer fuer mich recht bedrohlichen Sitatuation. Draussen war es schon dunkel und der Bus war fast voll besetzt. Die Besatzung des Busses bestand aus dem Fahrer und dem Fahrkartenkontrolleur und -verkaeufer. Besagter Fahrkartenkontroleur begann waehrend der Fahrt mit der Kontrolle und dem Verkauf der Fahrkarten. Zwei bis drei Reihen vor mir sassen da zwei junge Ladakhis, in westlicher Kleidung (breite Jeans, T-Shirts und Baseballkappen). Die beiden gaben dem Kontroleur bei der Kontrolle auch gleich einen Geldschein, und bekamen Rueckgeld und Fahrkarten vom Kontroleur. Dann gabs eine kurze und sehr schnell auch lautstarke Auseinandersetzung. Bei spaeteren Nachfragen erfuhr ich dass die beiden Jugendlichen der Meinung waren, der Kontroleur haette ihnen das falsche Rueckgeld gegeben. Da die Kontrahenten sich nicht einigen konnten, wurden die Jugendlichen handgreiflich, weshalb es bald zu einer sehr heftigen Schlaegerei kam. Als ob das noch nciht genug gewesen waere, beteiligten sich nach und nach fast alle Businsassen. Aufgrund meiner relativen Naehe zum Konfliktherd fluechtete ich mich erstmal unter meinen Sitz, was mich auch von Tritten und Schlaegen weitgehend verschonte. Kurz darauf, fuhr dann der Bus links ran, was aufgrund des unbefestigten Fahrbahnrand, zu starken Schaukelbewegungen des Buses fuehrte. Meine Hoffnung, dass der Fahrer versuchen wuerde Polizei oder die allgegenwaertige Armee (die Armee regelte zum Teil auch den Strassenverkehr) zur Hilfe holen wuerde erfuellte sich nicht. Stattdessenbrachte er seine zwei Faeuste zur Unterstuetzung seines Kompagnons ein. Im Bus bildete sich entsprechend ein grosses Menschenknaeul, waehrend ich und drei andere Fahrgaeste aus den Fenstern des Buses kletterten. Einige Minuten spaeter klaerte sich die Gefechtslage auf, und alle begaben sich wieder in ihre gewohnten Plaetze, ich steige wieder ein, und der Bus faehrt weiter. Kurz darauf, wieder einige Wortwechsel zwischen Kontrolleur und den Jugendlichen. Der Ablauf aehnelt dem ersten Teil, nur das der Busfahrer diesmal schneller anhielt und ich schneller draussen war…

Angekommen in Leh, die auf 3500 Meter Hoehe liegt und die Hauptstadt Ladakhs ist, bin ich weiter nach Devachan gefahren. Dort habe ich in einer Schule mit angeschlossenen Nonnenkloster gewohnt. Diese wie auch einige weitere soziale Einrichtungen werden vom Verein Kinder des Himalaya gefoerdert. Da Devachan sehr klein ist, bin ich damals regelmaessig mit dem Bus in die Hauptstadt Ladakhs Leh gefahren. Ladakh gehort zu der Region Kashmir und liegt an der Grenze zum Tibet/China. Die Bewohner sind ueberwiegend Buddhisten und ihre Sprache ist dem tibetischen sehr aehnlich. Aufgrund dieser Gemeinsamkeiten leben in Ladakh sehr viele Exiltibeter die nach der Besetzung des Tibets nach Indien geflohen sind. Auch der Dalai Lama hat ganz in der Ladakh seine Sommeresidenz. Wie man sich die Buddhisten und Tibeter als Euopaeer vorstellt, sind auch die Ladakhi sehr ruhige, friedliche und freundliche Menschen. Auch die aermsten Fluechtlinge die schon seit jahrzehnten in Slums wohnen sind auesserst freundlich, und sidn bereit einem jeden Gefallen zu tun. Einmal ist eine schon sehr alte Frau mit gekruemmten Ruecken im Bus aufgestanden, damit ich einen Sitzplatz bekam. Als ich diesen ausschlagen wollte hat der ganze Bus protestiert. Gastfreundschaft, wurde mir spaeter erklaert, sei dort sehr wichtig und das Ausschlagen eines solchen Gefallens eine Beleidigung. Muell faellt in Ladakh kaum an, da ausnahmslos alles wiederverwertet wird. Die laengste Zeit des Jahres ist der Flughafen gesperrt und die Paesse sind unpassierbar. Aber in der dort bin ich auch die beiden einzigen Male in Indien Gewalt begegnet: und beide Male in sehr unterschiedlichen und ueberraschenden Orten. Siehe hier Teil Eins und Teil Zwei.

Buerokratieabbau

Juli 29, 2006

Bei meinen ersten Indienaufenthalt musste ich in jeden Hotel, bei jedem Flug angeben, wo ich herkomme, wo ich in Indien schon gewesen bin (mit den jeweiligen Adressen der Hotels), Pass- und Wisumnummer, den Geburtsnamen meiner Mutter, plus Geburtsdaten der Eltern Heiratsdatum und was weiss ich nciht alles. Alles, musste auf der vierseitige A4 Dokument passen und wurde, sofern moeglich, penibel ueberprueft – auch in der billigsten 100 Rupien-Absteige. Diesmal war beim einchecken im Hotel nichtmal mein Pass notwendig, und beim Kauf der SIM-Karte wurde ich als Mr. Pascal eingetragen… Mein Familienname fehlt voellig.

Restaurants

Juli 28, 2006

An blinkende Lichter aus moeglichen Ecken bin ich ja schon durch die Besuche von Imbissbuden tuerkisch oder arabischstaemmiger Inhaber gewohnt. Davon gibt es in Bangalore erfreulich wenig. Lediglich unser Taxifahrer der uns zur Trekkingroute gebracht hat, hatte sein Auto mit bunt-blinkenden Scheinwerfen und einem ebendso bunt-blinkenden Licht im Fahrzeuginnern ausgestattet. In den meisten Restaurants herrscht dagegen eine Kantinenatmosphaere vor, blanke Edelstahltresen ohne Sitzmoeglichkeit oder Plastiktische und -stuehle bestimmten das Lokalinnere. Das gilt auch fuer die teureren Restaurants, einzige Ausnahme sind die westlich-modern eingerichteten Cafe-Ketten die weit verbreitet sind.

Sir, pass me

Juli 27, 2006

Dienstleister sprechen ihre Kunden mit Sir an. Auch aeltere, maenliche, nicht Familienmitglieder werden so genannt. Beim heutigen Fussballspiel in der Naehe des Kanteerava-Stadiums mit einigen indischen Kletterern war auch ein Mann dabei der etwa zehn Jahre aelter war als die anderen. Folge, alle mich eingeschlossen wurden mit den Vornamen gerufen, der besagte Mann, mit “Sir”. Lustig.

Gleichberechtigung

Juli 25, 2006

Auf der Taxifahrt im Auto, sitzen wir recht dicht gedraent zu neunt im Auto: drei Frauen und sechs Maenner. Der Verkehr ist gewohnt aufregend, staendiges Hupen (zum Einleiten wie Abschliesen des Ueberholvorgangs, sein eigenes Erscheinen in Kurven und Kreuzungen ankuendigen), Ausweichmanoever wegen der vielen Schlagloecher und Geisterfahrer, sowie das haeufige Abbremsen vor den “Bremshubeln” und das anschliesende beschleunigen. Die indischen Mitfahrer ertragen dies weitgehend emotionslos und beteiligen sich an lebhaften Diskussionen. So unter anderem zur Gleichberechtigung von Mann und Frau in Indien. Eine sehr selbstbewusst-modern auftretende Frau beschwert sich: Zwar koennten Frauen eine guten Ausbildung bekommen und gute Jobs finden. Aber sobald die Heirat, Familie und Kinder anstehen, ist es aus mit der Karriere. Eine Mutter findet nie wieder einen Job. Und die Maenner sind schuld: Die Ehemaenner versuchen ihre Frauen gezielt von Arbeitswelt fernzuhalten, und setzen sogar die Kinderplannung als Waffe ein. Die indischen Maenner reagieren recht schroff, die Frauen sollen sich doch selbst durchsetzen, sind nicht “straight”, ihnen fehle der Wille zum Erfolg. Und alles liegt an, na wem wohl? Na an den Muettern die ihre Kinder und Toechter  sperziehen. Insgesamt war die Stimmung recht aufgeheizt. Und gerade die recht modernen indischen Maenner stellten sich auf den Standpunkt, Frauen duerfen alles, und wenn sie nicht alles “schaffen” ist es ihre eigene Schuld.

Die Stimmung ist recht geladen, die meisten Kommentare polemisch. Ich beteilige mich kaum an der Diskussion kaum, und gebe den Maennern nur zwei, wie ich finde interessante und richtige Thesen bzw. empirischen Befunde aus der deutschen Debatte mit auf den Weg:

- Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau die den Haushalt macht. Jede erfolgreiche Frau ist alleine.

 - Maenner sind benachteiligt: Maenner haben nur eine moegliche Rolle, sie koennen arbeiten oder arbeitslos sein. Frauen koennen arbeiten oder Hausfrauen sein. Logische Folgerung: Maenner an den Herd!

Die beiden Aussagen wurden anschliesend unter den indischen Maennern diskutiert, aber mir gegenueber wurde keine weitere Aeusserung dazu gemacht.

Am Anfang klang es ganz einfach: eine Kopie vom Pass und eine vom Visum, 100 Rupien sowie ein Fomular und schon sollte ich eine indische SIM-Karte in den Haenden halten. Am naechsten Tag schreite ich mit den Kopien bewaffnet erneut in das Buero von Airtel und will meine SIM-0Karte beantragen. Ok, anscheinend wurde das letzte mal vergessen mir mitzuteilen, dass noch ein Passfoto benoetigt wird. Nagut, naechster Tag naechster Versuch. Mit Passfoto, den beiden Kopien und meinen Reisepass treffe cih wieder auf die freundlichen Damen mit ihren Sarees. Bei der Durchsicht der von mir abgelieferten Kopien tauchen jedoch unerwartete Probleme auf: Auf dem Reisepass ist keine Adresse enthalten. Also leicht hektisches Gewisper und dann die Frage wo den die Adresse steht. Die bekannte Antwort fuehrte zur Ratlosigkeit, weshalb ein aelterer, untersetzter Mann zu Rate gezogen wurde. Dieser erklaerte mir dann, dass er viele deutsche Paesse kenne, und dass auf allen eine Adresse stehen wuerde, da die indischen Behoerden sonst kein Visum erteilen wuerden. Nun, ich war angesichts dieser trefflichen Argumentationskette etwas erschlagen, bot ihm aber an selber meinen  Reisepass durchzusehen, was er aber abschlug. Dann folgten diverse Diskussionen zwischen den Angestellten, wonach ich noch kruz nach meinen Fuehrerschein befragt wurde, da dieser jedoch die erforderliche Adresse nicht beinhaltete, fragte man mich ob es moeglich waere ob ich eine Kopie von meiner letzten Strom- oder Gasrechnung meiner deutschen Wohnung zu ihnen faxen lassen koennte. Auch wenn es verlockend war, in meiner WG nach einer fantasievollen Strom-Rechnung, die auf meinen Namen laeuft, zufragen wiederstand ich der Versuchung und gab zu verstehen dass ich nicht alleine wohnen wuerde und keine Rechung auf meine Namen existieren wuerde. Dann uebernahm ich die Initiative und bot ihnen meinen “normalen” deutschen Pass an. Dieser sorgte erstmal fuer erhebliche Verwirrung. Zwei Paesse? Unmoeglich! Die offentlsichtliche Aehnlichkeit zu meinen Reisepoass liess meine Verhandlungspartner aber zu der Ueberzeugung gelangen dass es ein offizielles Dokument sein musste. Nach ausfuerlicher Beschreibung der Funktionsweise, kam der aeltere Vorgesetzte zu folgenden Schluss dass dies ein ausreichender Beweis sei und verkuendete feierlich:

“This can be seen as a official adress proof!”

Schoen und gut, zum Abschluss musste dann nur noch dass restliche Prozedere festgelegt werden: Am naechsten Morgen sollte ich eine Kopie meines deutschen Passes mitbringen, auf der folgender Satz von mir unterschriebene Satz stehen sollte: “This is internal german identification card (not passport).”

Der heutige Morgen: mit allen Unterlagen bewaffnet bin ihc puenklich zur Geschaeftoeffung da, freundlich-verlegenes Laecheln ist die erste Reaktion auf mein Anliegen: “Nun, lediglich das “Office” oeffnet zur angegeben Zeit, der “Shop” erst eine Stunde spaeter. Schliesslich kommt der Wachmann erst dann…

Ich habe sie mittlerweile, die SIM-Karte, heute abend wird sie freigeschaltet.

Kopfwackeln

Juli 20, 2006

Menschen haben immer ein Beduerfniss sich anderen anzupassen und ihre Gemeinsamkeiten zu betonen. Deshalb faellt es Menschen schwieriger andere zu kritisieren als sie zu loben. Habe ich mal in einen Rhetorikseminar gelernt. Das hier uebliche und sowohl sympathische als auch lustige Kopswackeln loest bei mir immer einen Nick-Impuls aus. Die Bedeutung ist gleich, aber ob sie es vestehen?

Heiratsrituale

Juli 20, 2006

Mein Gastgeber Kamesh hat vor einem Monat geheiratet. Die Ehe war arrangiert, aber er hatte ein Vetorecht bei der Brautwahl. Die Feier dauerte drei Tage und er beherbergte 1500 Gaeste! Die Bedeutung der ganzen Zeremonien, die durchgefuert wurden, kannte er auch nicht. Wollte ich nur so erwaehnen.